Dienstag, 9. Mai 2017

Vorlesung Zeitalter des Massenkonsums: Soziale Ungleichheit

Hier die Folien zur Vorlesung am Donnerstag:

Soziale Schichtung in der Bundesrepublik Deutschland, 1960er Jahre

Anteil der obersten 10 % am Gesamteinkommen, 1950-70
Migration in und nach Westeuropa, ca. 1945-80

Begrüßung des millionsten Gastarbeiters in der Bundesrepublik, 1964

Im Ausland geborene Bevölkerung, Großbritannien 1951-2001

Angestellte in Deutschland, 1950-90

Dienstag, 2. Mai 2017

Vorlesung Zeitalter des Massenkonsums: Sozialstaat, Bildung, Gesundheit


Hier die Folien zur Vorlesung am Donnerstag:

Sozialausgaben in % des BIP




      Erfassungsgrad der Sozialversicherungen


Hochschulbesuch in % der 20-24jährigen, 1910-95

Anteil der weiblichen Studierenden in %, 1950-95
Anteil der Bevölkerung mit Sekundarschulabschluss nach Altersgruppen, 1970

Dienstag, 25. April 2017

Vorlesung Zeitalter des Massenkonsums: Einzelhandel, Ernährung, Werbung

Hier die Folien zur aktuellen Vorlesung:

Esskultur: schematische Übersicht
Pro-Kopf-Verbrauch ausgewählter Nahrungsmittel 1960-96



Werbeausgaben in % des BIP 1971
Supermarkt, Bundesrepublik Deutschland 1959
Marlboro-Werbung, BR Deutschland, 1968

Dienstag, 18. April 2017

Vorlesung Zeitalter des Massenkonsums: Massenkonsum I (Autos, Haushaltstechnisierung, Medien)

Hier die Folien zur aktuellen Vorlesung:




PKW pro 1000 Einwohner


Ausstattung der Haushalte mit Elektrogeräten in %, 1960

aus: J. Gershuny/J.P. Robinson, Historical Changes in the Household Division of Labor, in: Demography 25 (1988), no. 4, S. 537-552

Familie beim Fernsehe, USA, ca. 1958

Werbung für den Fiat 500, Italien 1957

Werbung für Volkswagen, ca. 1962

Konrad Adenauer besucht das Volkswagenwerk, 1955




























Dienstag, 11. April 2017

Vorlesung Zeitalter des Massenkonsums: Wirtschaftliche Entwicklung

Anbei einige Folien für die Vorlesung diese Woche. Die 50er und 60er Jahre zeichneten sich durch außerordentlich hohe Wachstumsraten aus, verglichen mit der Zeit vorher und nachher.
Allerdings war diese Entwicklung nicht auf Westeuropa beschränkt. In vielen Regionen der Welt wuchs die Writschaft in dieser Zeit stark, wenn auch nicht so stark wie in Westeuropa.
Weiter lassen sich Unterschiede zwischen den einzelnen westeuropäischen Ländern identifizeieren. Besonders stark wuchs die Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland und in Italien, weniger stark in Schweden und vor allem Großbritannien.

Als Faktoren zur Erklärung des Booms werden in der wirtschaftshistorischen Literatur mehrere Faktoren diskutiert:

- Rekonstruktion
- Struktureller Wandel
- Diffusion von Innovationen
- Marshall-Plan und öffentliche Investitionen
- Inner-europäischer Handel

Hier gilt es nach einzelnen Ländern zu differenzieren. Rekonstruktionseffekte waren in Deutschland wichtig, der Strukturwandel in südeuropäischen ändern wie Italien, Spanien oder Frankreich. Die Diffusion von Innovationen wie Fließbandproduktion fand in vielen Ländern statt. Der Marshall-Plan half, wichtige Flaschenhälse zu beseitigen. Der inner-europäische Handel trug bis Ende der 60er nur wenig zum Wirtschaftswachstum bei (http://epub.wu.ac.at/170/1/document.pdf).




Donnerstag, 6. April 2017

Vorlesung Zeitalter des Massenkonsums: Einführung

Die erste Vorlesung beinhaltete im Wesentlichen eine Einführung in die Thematik und die Vorstellung des Vorlesungsplans. Der Plan gliedert sich nach thematischen Komplexen, also nicht chronologisch oder geographisch. Die Grundidee ist, dass der Übergang zum Massenkonsum nach dem Zweiten Weltkrieg die westeuropäischen Gesellschaften in allen Bereichen veränderte. Diesen Prozess gilt es nachzuzeichnen. Die nächste Vorlesung wird sich mit dem Wirtschaftswachstum dieser Zeit als Voraussetzung für die Zunahme des Konsums beschäftigen, die Vorlesungen danach mit verschiedenen Dimensionen des Massenkonsums. Danach wird ein Blick auf die Auswirkungen des Übergangs zum Massenkonsum in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen geworfen, wie soziale Schichtung, Geschlechterverhältnisse, Politik und Kultur. Hier der Vorlesungsplan:

6.4..: Einführung
13.4.: Wirtschaftliche Entwicklung
20.4.: Massenkonsum I: Autos, Haushaltstechnisierung, Medien
27.4.:Massenkonsum II: Ernährung, Einzelhandel, Werbung
4.5.: Sozialstaat, Bildung, Gesundheit
11.5.: Soziale Unterschiede, Migration
18.5.:Die „neue Frau“
25.5.: Himmelfahrt
1.6.: Jugend
8.6.:  Politik I: Parteien, Innenpolitik
15.6.:Politik II: Außenpolitik, Kalter Krieg
22.6.  Religion und Wertewandel
29.6.: Umwelt
6.7.:  Kultur
13.7.: Klausur

Massenkonsum gab es natürlich auch zu anderen Zeiten, jedenfalls nach 1970 und zumindest in Ansätzen auch schon in der Zwischenkriegszeit. Dennoch war er vor allem für die 50er und 60er Jahre prägend, da sich hier in einem historisch gesehen kurzen Zeitraum der Übergang von Entbehrung und Mangel der unmittelbaren Nachkriegszeit zu einem nie gekannten Wohlstand vollzog. Richtig ist, dass der Massenkonsum 1970 nicht aufhörte, sondern bis heute existiert. Allerdings wird er ab den 70er Jahren häufig als selbstverständlich angesehen, vor allem von den Jüngeren. Die Zeit seit 1970 lässt sich besser als Zeitalter der Globalisierung beschreiben. Der entscheidende Einschnitt war dabei nicht die Ölkrise 1973, sondern der Zusammenbruch des Bretton Woods-Systems der Weltwirtschaft zu Beginn der 70er Jahre. Auch der Anfang ist nicht ganz genau zu fixieren. Der Übergang von der Mangelwirtschaft der Nachkriegszeit zur Konsumgesellschaft geschah schleichend, nicht mit einem Schlag (auch nicht mit der Währungsreform 1948). Bis 1950 blieben einzelne Güter rationiert (in der Bundesrepublik), in Großbritannien gar bis 1954.

Grundsätzlich geht es bei dieser sozialhistorischen Periodisierung um die Frage, welcher gesellschaftliche Basistrend einer Epoche das Gepräge gab in dem Sinne, dass er für die meisten Menschen von spürbarer Bedeutung war. Sie orientiert sich an der Kategorie der "Erfahrung" nach E.P. Thompson.

Hier noch die Definitionen von Konsumgesellschaft und Massenkonsumgesellschaft nach Heinz-Gerhard Haupt:

Konsumgesellschaft: „sozialer Zusammenhang, in dem ein bestimmtes Warensortiment einer auf bestimmte soziale Schichten begrenzten Verbraucherschicht zur Verfügung steht, die Waren für die Definition ihrer gesellschaftlichen Rolle und zur individuellen Selbstdarstellung nutzen“

Massenkonsumgesellschaft:  „In der Massenkonsumgesellschaft werden immer größere Mengen an Konsumgütern einem zunehmend größeren Bevölkerungsanteil zugänglich gemacht, die Distinktion durch Warenbesitz wird komplizierter und subtiler, Konsum verbindet sich mit vielen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Prägungen.“


Mittwoch, 4. Januar 2017

Reformation und Konsum

Herzlich willkommen im Jahr 2017, dem Jahr des Reformationsjubiläums! Vor 500 Jahren veröffentlichte bekanntlich Martin Luther seine 95 Thesen und löste damit diejenigen Ereignisse aus, die heute unter dem Oberbegriff "Reformation" zusammengefasst werden. Die Reformation gilt als wichtiger Einschnitt in der Geschichte. Gilt dies auch für die Konsumgeschichte?

Es ist zurecht bemerkt worden, dass die Reformation in eine Zeit des beginnenden oder sich zumindest verstärkenden Handelskapitalismus fiel, der auch den Konsum beförderte, wenn auch zunächst nur bei den oberen, später auch den mittleren Schichten. In der Tat gilt die niederländische Republik des 17. Jahrhunderts, die bekanntlich kalvinistisch geprägt war, als Vorläufer der modernen Konsumgesellschaft, da sie bis dahin unbekannten Wohlstand nicht für einzelne Reiche, sondern für breite Mittelschichten ermöglichte. Doch dazu später.

Die Einstellung der Reformatoren zum Konsum ist recht simpel: Sie standen ihm kritisch gegenüber, jedenfalls so weit er über ein relativ bescheidenes Maß hinaus reichte. Die Aufrufe zum Verzicht und zur Askese sind weit verbreitet. Schon in Luthers 95 Thesen heißt es in der ersten These: "Da unser Meister und Herr Jesus Christus spricht: Tut Buße etc., will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete und unaufhörliche Buße sein soll." Und in seiner Schrift "An den christlichen Adel Deutscher Nation" von 1520 forderte Luther ein Gebot "wider den überschwänglichen Überfluss und Kost der Kleidung". Außerdem wetterte er gegen den Import von "Specerey", also fremden Gewürzen, die das Land arm machten und nicht nötig seien. Generell stand er dem Handel recht skeptisch gegenüber und schrieb in derselben Schrift: "Ich sehe nicht viel gute Sitten, die in ein Land kommen sind durch Kaufmannschaft...". An anderer Stelle, in der Schrift "Von Kaufshandlung und Wucher" (1524), räumte er zwar ein, dass Kaufen und Verkaufen notwendig sei, wollte dies aber auf den Handel mit notwendigen Gütern über kurze Distanzen beschränkt sehen. Den Fernhandel mit Luxuswaren (Seide, Schmuck, Gewürze) lehnte er genauso ab wie die freie Preisbildung, die er für unmoralisch hielt.

Diese Luxuskritik war weder neu noch auf Luther und den Protestantismus beschränkt. Im Prinzip lässt sich die Wertschätzung der freiwilligen Askese, des Verzichts bis in die Antike zurückverfolgen. Eine Neubewertung des Konsums setzte sich erst um 1700 durch, als Ökonomen und andere Intellektuelle den Zusammenhang zwischen Verbrauchernachfrage und Wirtschaftswachstum erkannten. Das bekannteste Beispiel dafür ist Mandevilles "Bienenfabel" von 1705 (Bienenfabel).

Wie weit die Protestanten des 16. und 17. Jahrhunderts von solchen Auffassungen entfernt waren, zeigt die 1619 erschienene utopische Schrift "Christianopolis" von Johann Valentin Andreä. Sie bietet ein frühes Bild einer Planwirtschaft: Die Menschen sind materiell alle gleich gestellt, Geld ist abgeschafft, und die Gemeinschaft stellt alle zum Leben notwendigen Dinge bereit - von Wohnungen bis hin zum Essen, das zwar privat eingenommen, aber in Wochenrationen zugeteilt wird.

Aus diesen Beispielen geht hervor, dass der Protestantismus nicht, wie Max Weber das getan hat, als Wegbereiter des modernen Kapitalismus in Anspruch genommen werden kann. Im Gegenteil hatte der frühe Protestantismus große Probleme mit marktwirtschaftlichen Praktiken und mit Elementen der modernen Konsumgesellschaft. In den Niederlanden, so die These des Kulturhistorikers Simon Schama (The Embarassment of Riches, 1987), war daher das schlechte Gewissen ein ständiger Begleiter des Wohlstands, der von den reformierten Geistlichen verurteilt wurde (und keineswegs als Zeichen einer Erwählung durch Gott gesehen wurde, wie Weber suggeriert). Die moderne Konsumgesellschaft (und damit der moderne Kapitalismus, der ja ohne Konsum undenkbar wäre) hat sich eher gegen den Protestantismus als durch ihn durchgesetzt.